Haus am Schuttberg
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Bildung für nachhaltige Entwicklung


Was ist Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) vermittelt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln. Sie versetzt Menschen in die Lage, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und dabei abzuschätzen, wie sich das Handeln auf künftige Generationen oder das Leben in anderen Weltregionen auswirkt. Dabei handelt es sich um ein Wissen und um ein Verstehen von komplexen ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit. (siehe www.bne-portal.de

Der Abenteuerspielplatz vom Haus am Schuttberg e.V. als BNE-Einrichtung:

Bildung für nachhaltige Entwicklung spielt auf den Abenteuerspielplatz eine wichtige Rolle und umfasst die Bereiche:

Im Folgenden werden diese Bereiche genauer aufgezeigt und Kompetenzen dargestellt, die Kinder und Jugendliche auf dem ASP erwerben können für eine aktive Teilhabe an einem zukunftsfähigen gesellschaftlichen Leben.


Soziales:


Der ASP ist ein Platz auf dem individuelles Freispiel gefördert wird. Das freiwillige Angebot für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren bildet in erster Linie eine Holzhüttenstadt, in der die Kinder sich frei entfalten dürfen. Dazu gehört das Bauen, Mieten und Gestalten der Hütten und deren Umgebung. Pädagogische und handwerkliche Unterstützung erhalten die Kinder durch zwei SozialpädagogInnen.
Sozialkompetenzen werden gefördert indem die Kinder möglichst lebensnahe Formen gesellschaftlichen Miteinanders erleben und erlernen. Das geschieht in der persönlichen Auseinandersetzung mit Gruppen, Nachbarschaften und frei gewählten Zusammenschlüssen. In eigenständigen Bau- oder Gartenprojekten lernen die Kinder miteinander zu kooperieren und sich den dabei auftretenden Herausforderungen und Konflikten zu stellen. Es findet ein intensives Kennenlernen statt, bei dem auch außenstehende Kinder aktiv von den anderen Kindern eingebunden werden.
Partizipation spielt eine wichtige Rolle auf dem ASP. Die Kinder lernen, ihre Meinung frei zu äußern und erfahren dabei, wie sie als Teil der Gemeinschaft basisdemokratisch Einfluss auf das gesellschaftliche Leben nehmen können. Im Kinderrat, der einmal im Vierteljahr stattfindet, werden Verbesserungsvorschläge und Ideen für den ASP eingebracht und diskutiert. Außerdem können die Kinder Ämter wie beispielsweise Bürgermeister/in, Kulturbeauftragte/r  und Stadtverschönerer/in wählen und Verantwortung für die Verwaltung des ASPs übernehmen.
Der ASP bietet Raum für kreative Prozesse. Kinder dürfen sich hier selbst ausprobieren und in natürlicher Umgebung mit Materialien und Werkzeugen experimentieren, werken, basteln und neues kreieren. Zusätzlich werden vom pädagogischen Fachpersonal Kreativ- und Spiele-Aktionen angeboten.
Auf dem ASP können die Kinder interkulturelle Kompetenzen erwerben, da im freien und angeleiteten Spiel ein ständiger Austausch zwischen Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen und Nationen stattfindet.
Mädchen und Jungen haben die Möglichkeit sich in verschiedenen Rollen  auszuprobieren, tradierte geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen zu überdenken und Perspektiven zur eigenen Identität zu entwickeln.


Ökologie:


Der ASP bietet Kindern vielfältige und permanente Möglichkeiten, ökologische Zusammenhänge zu erleben und dadurch einen nachhaltigen und respektvollen Umgang mit ihren natürlichen Ressourcen zu erlernen.
Mit allen Sinnen begreifen die Kinder ihre natürliche Umgebung und erleben den Wechsel der Jahreszeiten hautnah. Es besteht die Möglichkeit, Gärten anzulegen, Blumen und Gemüse anzubauen und vom Pflanzen über das Pflegen bis hin zum Ernten an den vielfältigen Entwicklungsstufen der Natur unmittelbar teilzuhaben.
Der enge Kontakt mit ihrer natürlichen Umgebung durch Beobachtung von Flora und Fauna schärft das Bewusstsein der Kinder für die Natur, weckt das Interesse an ökologischen Zusammenhängen und fördert einen achtsamen Umgang mit ihrer Umwelt.
Ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen auf dem Abenteuerspielplatz, wie z.B. mit Holz, Werk- und Bastelmaterial spielt eine wichtige Rolle und wirkt auch auf Verhaltensweisen in anderen Lebensbereichen der Kinder. Dazu gehört beispielsweise das Wiederverwenden von altem Holz, das Suchen und Eintauschen von alten Nägeln und das Recyclen von Abfall.
Bei nachmittäglichen Snacks und beim wöchentlichen Grillabend achten wir auf ausgewogene, regionale und ökologische Ernährung und stellen dieses Thema zur Diskussion. Beim Reflektieren über Anbau, Verarbeitung und Handelswege können die Kinder Verbindungen knüpfen zwischen ihrer Ernährungsweise und den Auswirkungen auf globale und klimarelevante Aspekte. Beim Backen einer saisonalen Gemüsepizza im Lehmofen erforschen die Kinder die Hintergründe und lernen Selbstgemachtes zu schätzen.


Ökonomie:


Ökonomische Zusammenhänge sollen auf dem ASP nachhaltig erlebt und erlernt werden. So stellt unsere eigene Währung auf dem Platz, der ASP-Dollar, ein wichtiges und vielgeschätztes Angebot dar, den Wert des Geldes und den Zusammenhang zwischen Geld und Arbeit zu verstehen, auszuprobieren und in die persönliche Lebenswelt zu übertragen.
Jeden Tag können zu einer bestimmten Uhrzeit gemeinnützige Arbeiten freiwillig übernommen werden. Nach Abschluss dieser Arbeiten werden die Kinder in Form von Spielgeld ausbezahlt. Mit dieser „ASP-Währung“ können sie sowohl Kulinarisches als auch besondere Bauutensilien erwerben. So stehen Arbeitskraft und finanzielle Entlohnung in direktem Vergleich zueinander und Kinder können den Wert ihres Geldes einordnen.
Neue Nägel und Schrauben können auf dem ASP nur erworben werden im Tausch gegen alte, gefundene Nägel. Dahinter steckt sowohl der Gedanke des Recyclings als auch der Gedanke von Wertschätzung der verwendeten Ressourcen.
Auch während des Kreativangebots wird bewusst Recyclingmaterial verwendet um gemeinsam Neues zu kreieren. Damit wollen wir Möglichkeiten darstellen, alte Dinge aufzuwerten und Alternativen bieten zum „Immer-neu-kaufen“. 
Einzelne Aktionen auf dem ASP, wie z.B. „Der Weg einer Jeans“ oder das Bestimmen des persönlichen „Ökologischen Fußabdrucks“ verdeutlichen den Zusammenhang von persönlichem lokalen Handeln und seinen globalen Auswirkungen. So werden Themen aus der Lebenswelt der Kinder unter die Lupe genommen und kindgerecht hinterfragt. Zudem wird bei den Kindern Empathie geweckt für die Menschen weltweit, die die Produkte unseres täglichen Gebrauchs herstellen.


Spezielle Bildungsangebote nach BNE-Kriterien:


Zusätzlich zum alltäglichen Betrieb des Abenteuerspielplatzes werden spezielle Bildungsangebote nach BNE-Kriterien durchgeführt. Dies geschieht in Form von Schulklassenprojekten und bei besonderen Aktionen im offenen Betrieb des ASPs.
Jedes Jahr wird zu einem Thema der Nachhaltigkeit (meist das UN-Dekade-Thema) ein großes Bildungsprojekt geplant und sowohl mit Schulklassen aus den umliegenden Stadtteilen als auch in offener Form mit den StammbesucherInnen des ASPs durchgeführt.
Bisher stattgefunden hat:
2009: „Wasser, Wolken, Wetterfrosch- Abenteuer Klima“- Schulklassenprojekte und Bau eines Lehmofens
2010: „Wasser, Wolken, Wetterfrosch- Abenteuer Klima“- Schulklassenprojekte und Bau eines „Klimaschutz-Maibaums“ mit Solarmodul und angetriebenem Globus
2011: „Prima Klima in der Stadt“- Schulklassenprojekte und einwöchige Workshops zum Thema Recycling („Einfälle stadt Abfälle - Aus alten Sachen neue machen!“)
2012: geplant ist ein Projekt zum UN-Dekade-Thema „Ernährung“- Schulklassenprojekte und offenes Programm im ASP
Die Bildungsprojekte entstehen aus einer Kooperation mit dem Ökoprojekt MobilSpiel e.V. und werden gemeinsam auf dem Abenteuerspielplatz durchgeführt.
In Schulklassenprojekten werden Workshops zu den jeweiligen Themen des Jahres angeboten, welche in die Nachhaltigkeitsdimensionen von BNE aufgeteilt sind - soziales, ökologisches und wirtschaftliches Miteinander. Hierbei werden komplexe Zusammenhänge spielerisch erarbeitet und darauf geachtet, dass Kinder das Erlernte in ihre Lebenswelt übertragen können.

Beschreibung des Projekts „Prima Klima in der Stadt“ im Juli und August 2011

Schulklassenprojekt

Im Zeitraum vom 18.-22.07.2011 bot der Abenteuerspielplatz vom Haus am Schuttberg e.V. in Kooperation mit dem Ökoprojekt MobilSpiel e.V. Schulklassenprojekte mit dem Titel „Natürlich zusammen! Prima Klima in der Stadt“ an.
Ziel des Schulklassenprojektes war es, für Kinder der 3. und 4. Jahrgangsstufe das Thema „Stadt und Nachhaltigkeit“ erlebbar zu machen, komplexe Zusammenhänge kindgemäß verständlich zu machen und mit ihnen Handlungsmöglichkeiten für ein zukunftsfähiges Leben in der Stadt zu entwickeln.
Das Programm fand vormittags sowohl in den Räumen vom Haus am Schuttberg als auch auf dem Gelände des dazugehörigen Abenteuerspielplatzes statt.
Inhaltlich stand das Thema nachhaltige Stadt im Vordergrund (Was ist Stadt? Was gehört alles zu einer lebenswerten Stadt?), v.a. Natur in der Stadt, die Beziehungen von der Stadt zur Region/zum Land und der Blick in andere Städte der Erde. Es wurden ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Dimensionen von Stadt und ihre Zusammenhänge sichtbar und erlebbar gemacht.

Angewandte Methoden:

  • Naturwissenschaftlich-kognitiv durch das Erkunden von Naturräumen und das Erforschen von Tieren, Pflanzen usw.;
  • Kreativ-handwerklich durch die Auseinandersetzung mit der Herkunft unserer Lebensmittel, dem Pflanzen und Säen und die Zubereitung eines regionalen Snacks;
  • Emotional-spielerisch durch Kennenlernen von Tänzen und das Entwickeln eines kleinen Theaterstücks, das die Vielfalt der Stadtkulturen in verschiedenen Städten der Erde thematisiert.


Der Ablauf:


Ein Projektvormittag teilte sich in einen Einstieg mit der ganzen Klasse, drei parallel laufenden unterschiedlichen Workshops sowie einem gemeinsamen Abschluss.

Einstieg

In den gemeinsamen ersten 30 Minuten wurden die Kinder auf das komplexe Thema Stadt spielerisch hingeführt. Dabei bauten sie aus verschiedenen Spielzeugelementen eine kleine Stadt auf. Gemeinsam wurde überlegt, was eine Stadt braucht, damit sie lebenswert ist, damit man sich in ihr wohl fühlt. Dazu gehört neben Häusern, Straßen, Fortbewegungsmitteln und Freizeitstätten auch Natur in der Stadt, wie z.B. ein Fluss, ein Park, Bäume, Vögel usw. Außerdem zählen kulturelle und soziale Einrichtungen, wie Theater und Disco dazu. Daneben muss es Geschäfte für Lebensmittel geben und eine Region um die Stadt herum, die diese Geschäfte mit Produkten versorgt (Bauernhof). Anhand von diesen drei Aspekten entschieden sich die Kinder für einen Workshop, in dem sie in den folgenden 2,5 h arbeiteten.


Die Workshops im Detail:


Naturforscher auf Stadtsafari


In diesem Workshop wurden Bäume, Pflanzen und Tiere in der Stadt erforscht. Den Kindern wurde klar, dass auch die Natur in der Stadt einem empfindlichen ökologischen Gleichgewicht unterliegt. Sie lauschten Natur-Geräuschen in ihrer Umgebung und erforschten und bestimmten mit der Lupe die kleine und große Stadtnatur. Daraus entstanden Steckbriefe für ein gemeinsames Plakat und eine Fühlkiste als eigenes Naturerfahrungsspiel für die Klasse.

Parkcafe

Im Parkcafe ging es um die (auch wirtschaftliche) Abhängigkeit der Stadt von der umliegenden Region als Ressourcenlieferant. Mit einem Spiel und einer Geschichte wurde deutlich gemacht, dass die Stadt sich zwar nicht selbst mit Lebensmitteln versorgen kann, es aber tolle Ansätze des Stadtgärtnerns gibt. Nachdem die Kinder selbst Stadtgärtnern ausprobieren konnten, wurde aus regionalen Zutaten ein Snack für die Klasse bereitet.

Tanztheater auf Weltreise


Hier stand das kulturelle/soziale Leben in Städten im Vordergrund. Durch ein Pantomimespiel wurde herausgefunden, was die Stimmung zwischen den Menschen (das soziale Klima) in einer Stadt fördert. Drei Städte der Welt wurden herausgegriffen und die Besonderheiten der jeweiligen Tänze untersucht. Dabei ging es immer um das Tanzen als Stimme der Menschen, ein Anliegen zu äußern. Die Kinder konnten die Tänze ausprobieren. Außerdem wurde ein kleines Theaterstück entwickelt, das die Energieversorgung in den Städten thematisierte. Dabei konnten die Kinder die erlernten kreativen Ausdrucksformen mit einfließen lassen.
Zum Abschluss präsentierten sich die SchülerInnen gegenseitig ihre Ergebnisse.

Aktion „Einfälle stadt Abfälle – Aus alten Sachen neue machen“ auf dem ASP

Wie das Leben in der Stadt umwelt- und vor allem klimafreundlicher werden kann, erprobten Kinder zwischen 6 und 13 Jahren im August 2011 auf dem Abenteuerspielplatz vom Haus am Schuttberg in Kooperation mit dem Verein Ökoprojekt Mobilspiel in Schwabing-West.


In der ersten Ferienwoche konnten die Kinder dort praktische Möglichkeiten nachhaltigen Konsums sowie Alternativen dazu kennenlernen. In sechs verschiedenen Werkstätten erfuhren sie, dass nicht alles Ausgediente sofort in der Mülltonne landen muss. Aus alten Fahrradschläuchen wurden in der Plastikwerkstatt Geldbeutel, punkige Armbänder oder gar Blumenvasen gebastelt. Alte Zeitschriften dienten in der Papierwerkstatt als Grundlage für hübsche Papierketten und Armbänder. In der Textilwerkstatt entstanden bunte Flicken, Taschen aus alten Jeans oder Farbdrucke auf T-Shirts mit selbstgemachten Kartoffelstempeln.
Die Holzwerkstatt bot Raum für künstlerisches Werken mit Holzresten. Dort entstanden Mobiles, Anhänger oder Kühlschrank-Magnete. Viel Motivation erwiesen die Kinder auch in der Radlwerkstatt. Dort konnten sie unter Anleitung kleine Reparaturen selber machen.
Warum eine Jeans oder ein Fahrrad Produkte sind, die viele Erdressourcen verbrauchen und dementsprechend gepflegt und gut behandelt werden sollten, erfuhren die Kinder in einem Workshop zum »Ökologischen Rucksack«, eine Maßeinheit für den Energie- und Materialeinsatz bei der Herstellung, Verbrauch und Entsorgung eines Produktes. Eine schöne Abrundung war der »Markt der Ideen« am Freitag, bei dem die Kinder ihre selbst gemachten Werke präsentieren und verkaufen konnten. Sie selbst hatten die Möglichkeit zusätzlich mit einer Alternativ-Währung in Form von Murmeln Produkte auf dem Markt einzukaufen. Zuvor hatten sie während ihrer Arbeitszeit in den unterschiedlichen Werkstätten Murmeln verdient. Erwachsene und sonstige BesucherInnen konnten in Euros zahlen.
Der Erlös wurde bei der Oxfam »Unverpackt«-Aktion sogleich symbolisch umgesetzt in Hühner, Schafe, eine Ziege und Schulbücher. Diese »unverpackten« Geschenke gehen vor allem nach Afrika oder Asien und unterstützen dort Projekte zur Existenzsicherung, etwa durch den Kauf und die Zucht von Ziegen.



 
© 2007-2011 | Letzte Aktualisierung: 30.11.2011